Dekan Rainer Redlingshöfer stellt sich vor

Als ich Anfang Februar vom Kirchenvorstand und Dekanatsausschuss als neuer Dekan berufen wurde, schien die Welt, zumindest im Großen und Ganzen, in Ordnung. Keiner hätte damals daran gedacht, dass ein paar Wochen später vieles von dem, was unserem Alltag jahrzehntelang Halt und Struktur gegeben hat, durch die Corona-Pandemie ins Rutschen geraten, ja zum Teil ganz abhanden­kommen könnte. In eine solch außergewöhnliche Zeit, die bei vielen Menschen auch Unsicherheit und Angst erzeugt, fällt nun mein Dienstantritt als neuer Dekan. Da unsicher ist, ob meine Einführung am 2. August als großer Festgottesdienst gefeiert werden kann, möchte ich mich Ihnen schon ein wenig bekannt machen.

Dekan Redlingshöfer
Bildrechte: Rainer Redlinghöfer

Vor knapp zwanzig Jahren gab ich meinen Arbeitsplatz am Fürther Landratsamt als Büroleiter der Landrätin auf, um mit 38 Jahren als Spätberufener an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau Theologie zu studieren.  Seinen Anfang nahm diese Entscheidung während einer Einkehrwoche. Auf die Frage, was ich gerne beruflich machen würde, wenn ich mit meinem Leben noch einmal von vorne anfangen könnte, antwortete ich der Leiterin dieser Einkehrtage spontan und aus tiefstem Herzen: Pfarrer werden. Ihre Antwort, was mich hindert es doch noch zu werden, hat mich monatelang umgetrieben und schließlich zum Entschluss gebracht, meine damalige Karriere in der Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik aufzugeben, um das zu werden, was ich als Jugendlicher ursprünglich wollte.

So habe ich an mir selbst erfahren, wie Gott Leben verändern kann und dabei erleben und erfahren dürfen: Gottes Wege sind nicht immer geradlinig, aber wer sich auf Gottes Wege einlässt, der erfährt, dass diese Wege gute Wege sind.

Nach meinen ersten sechs Jahren im Dekanat Bad Windsheim, wo ich in der neuen Tiefgrundpfarrei als Pfarrer alleine zuständig war für sechs kleine Kirchengemeinden, die jeweils über eine eigene Kirche, Kirchenvorstand, Gemeindehaus und Friedhof verfügten, war ich in den letzten neun Jahren im großstädtischen Umfeld tätig. Als Pfarrer der Paul-Gerhardt-Kirche in Stein, direkt vor den Toren Nürnbergs, arbeitete ich in einer Gemeinde, die erst in den achtziger Jahren gegründet wurde.

Nun freue ich mich auf meinen neuen Wirkungskreis als Ihr neuer Dekan. Auch hier soll gelten, was meinen Dienst als Pfarrer von Beginn an prägt: Ich bin Pfarrer geworden, um den Menschen nahe zu sein, sie in Lebensumbrüchen und Krisen zu begleiten und gemeinsam mit ihnen unseren menschenfreundlichen Gott zu feiern. Dass dazu natürlich noch Verwaltungs- und Organisations-aufgaben kommen, versteht sich von selbst, aber das bleibt für mich nachrangig. An erster Stelle steht für mich als Pfarrer die Begleitung der Menschen.

Nach Gräfenberg komme ich zusammen mit meiner Ehefrau, die seit vielen Jahren als Organistin Gottesdienste mitgestaltet und die als gelernte Krankenschwester in der Altenpflege der Diakonie arbeitet, künftig in Gräfenberg und unseren beiden Kindern: unserem achtjährigen Sohn Simon, einem begeisterten Fußballspieler, und unserer vierjährigen Tochter Sarah.

Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg, den wir unter Gottes Geleit mit Ihnen gehen dürfen und besonders freuen wir uns auf viele persönliche Begegnungen und Gespräche.

Ihr
Reiner Redlingshöfer

 

P.S.  Zeiten der Unsicherheit und Angst, die viele in der Corona-Pandemie empfinden, gab es in der Vergangenheit immer wieder. Der Namensgeber meiner bisherigen Deutenbacher Kirche, der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt lebte in solch unsicheren Zeiten, mitten im 30-jährigen Krieg, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen. Inmitten dieser Bedrängnis schrieb er sein wohl bekanntestes Lied:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

Der allertreusten Pflege des der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Ich bin fest davon überzeugt: Gott wird auch für uns Wege finden, auf denen wir durch diese schwierige und außergewöhnliche Zeit gut gehen können, von der wir nicht wissen, wie lange sie noch dauert. Denn: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. (Psalm 46,1)